Mit dem Poolfüllkalender steuern Gemeinden Befülltermine effizient und vermeiden Spitzenlasten im Trinkwassernetz. Praxisbeispiele zeigen: Mit klaren Zeitfenstern bleibt die Versorgung stabil – und die Verwaltung entlastet.
Die Marktgemeinde Kraubath an der Mur in der Obersteiermark hat rund 1.350 Einwohner und ist für Naturtourismus bekannt. Gleichzeitig besitzt fast jeder fünfte Haushalt (108 von 580) einen Swimmingpool, was die Trinkwasserversorgung im Sommer belastet.
Nach einer Trockenperiode 2003, die Wasserengpässe verursachte, führte die Gemeinde einen Schwimmbadbefüllungsplan ein. Folgende Maßnahmen wurden damit umgesetzt:
Pro Jahr stehen der Gemeinde 91.250 m³ Trinkwasser zur Verfügung; für Pools werden etwa 3.200 m³ benötigt (ca. 3,5 % des verfügbaren Wassers). Die Bevölkerung unterstützt das System stark: über 95 % halten sich freiwillig an die Regelung.
Der Bürgermeister Erich Ofner betont den hohen sozialen Wert der privaten Pools und die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Wasser.
Der Wasser- und Abwasserverband Lockenhaus und Umgebung (WAVL) versorgt rund 4.800 Haushalte in zehn Gemeinden im Mittelburgenland. Durch zunehmende Trockenperioden – vor allem zwischen 2019 und 2021 – kam es im Frühjahr zu Engpässen in der Wasserversorgung, unter anderem wegen der gleichzeitigen Befüllung vieler privater Pools (geschätzt rund 800 Pools im Verbandsgebiet).
Um das Wassernetz zu entlasten, wurde 2021 der digitale Pool-Füll-Kalender eingeführt. Er ermöglicht den Bewohner:innen, ihren Befülltermin online zu reservieren.
Das System ist bewusst einfach gehalten:
Der Kalender sorgt dafür, dass Verbrauchsspitzen reduziert und Versorgungsengpässe vermieden werden. Mittlerweile melden rund 60 % der Poolbesitzer:innen (ca. 450 Haushalte) ihre Befüllung regelmäßig an – ohne Verbote, nur durch Bewusstseinsbildung.
Der WAVL sieht die Maßnahme als wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Wasser, nicht nur für Pools, sondern auch für Bewässerung und Autowäsche. Andere Gemeinden zeigen großes Interesse, und der Verband teilt seine Erfahrungen offen.
Zusätzlich engagiert sich der WAVL in der Aufklärungsarbeit für Kinder und Jugendliche, z. B. durch Anlagenführungen und Wasserworkshops in allen zehn Schulen der Region.